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Sch√∂n vermessen oder Die Gnade der fr√ľhen Geburt

Selfies und Apps

Alles, was nicht gemessen wird, ist nicht. Das Sch√∂ne an den Zahlen ist ihre Objektivierbarkeit. Bei den Soziologen hei√üt dieses Ph√§nomen Objektivierungs-Suggestion. Es wird der Eindruck erweckt, dass die numerische Darstellung einen h√∂heren Wahrheitsgehalt hat, also verl√§sslicher ist als das, was wir wahrnehmen, empfinden und f√ľhlen, ohne daraus ableitbare Daten generieren zu k√∂nnen. Au√üerdem erzeugt dieser Blick auf die eigenen Daten eine Distanz zum eigenen K√∂rper. Alles geht in eine distanzierte Selbstbetrachtung √ľber, garniert durch eine umfangreiche Sammlung von Selfies, die die visuelle Kontrollinstanz zu den Daten darstellt.

Wozu findet diese Selbstoptimierung √ľberhaupt statt? Wir wissen, dass der Mensch den Vergleich zu seinen Mitmenschen ben√∂tigt, um mehr √ľber sich selbst zu erfahren. Aber es l√§sst sich doch fragen, ob nicht gerade durch die wahrnehmbaren Unterschiede die Palette der M√∂glichkeiten, Lust auf Individualit√§t macht. Aber zu viel Individualit√§t scheint eher zu ver√§ngstigen. Die Norm ist das, was angestrebt wird, zumindest wenn es um das Erscheinungsbild des eigenen K√∂rpers geht. Wie √§rgerlich, dass wir noch immer nicht alles im Griff haben. 

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