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DIE VIRTUELLE WELT, NIETZSCHE UND DIE FRAGE DER WAHRHEIT

(c) Uwe Dörwald / Buchmesse FFM 2016

Die Beschaffenheit der virtuellen Welt entkrĂ€ftet zumindest partiell die Aussagekraft der realitĂ€tsbezogenen Wahrheitskriterien. Die vier ĂŒblichsten Kriterien der Wahrheit beruhen auf: Kongruenz, KohĂ€renz, Pragmatik und Konsensus. In der virtuellen Welt verlieren sie teilweise an Bedeutung und PrĂ€gnanz, weil sie in den Konstellationen der VirtualitĂ€t nicht mehr als notwendig und direkt anwendbar empfunden werden.   

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... laut Nietzsche (bedeutet) die Kritik an den Fakten und an dem festen Glauben daran keine Form der Relativierung und der GleichgĂŒltigkeit ihnen gegenĂŒber, sondern sie deutet auf die Notwendigkeit hin, das vermeintliche SelbstverstĂ€ndliche zu hinterfragen und genau da Verdacht zu schöpfen, wo alles selbstverstĂ€ndlich und unproblematisch erscheint. Die Kritik des Positivismus und die Entwicklung der Genealogie als Methode ergĂ€nzen sich gegenseitig: Sie bringen die Menschen dazu, nicht nur auf die Fakten hinzuweisen, sondern sich auf ihre Herkunft zurĂŒckzubeziehen, die zum einen viel komplexer und vielfĂ€ltiger ist, als in der Regel angenommen wird, und zum anderen auch negative Seiten beinhaltet, die meistens verheimlicht oder verstellt werden. Freie Geister sind fĂŒr Nietzsche diejenigen, die imstande sind, „tief zu tauchen und wohl auf den Grund zu sehen“, ein Verhalten also, das sich von Unmittelbarkeit, GleichgĂŒltigkeit, Seichtigkeit und OberflĂ€chlichkeit verabschiedet und hingegen fĂŒr neue Erkenntnisimpulse einsteht.  

 

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