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188 | 22.01.2015

METROPOLIS als Dokument der Moderne

Über Glaube, Gesellschaft und Großstadtleben


Metropolis, der berühmteste aller deutschen Filme, ist ein einzigartiges Dokument der Moderne. Er inszeniert eine Zukunftswelt, bezieht sich im Kern jedoch auf die jüdisch-christliche Tradition und zeigt dabei, dass sich das Schicksal urbaner Ballungsräume und Agglomerationen nicht zuletzt im ethisch-religiösen Bereich entscheidet. In den Megacitys von heute und morgen geht es ums Ganze.

Wie ein Magnet hat der Film Metropolis die geistigen Energien einer ganzen Epoche an sich gezogen, miteinander reagieren lassen und dabei die Vision einer gewaltigen Megalopolis hervorgebracht. In ihr ragen Wolkenkratzer gen Himmel, Flugzeuge kreisen über der City, Autos durchfluten die Straßen, Hochbahnen schlängeln sich über gewagte Brückenkonstruktionen. Alles ist auf Effizienz ausgerichtet. Metropolis’ Skyline ist längst nicht mehr – wie in traditionellen Metropolen – von Kirchen und Kathedralen geprägt, sondern wird von einem gigantischen Monument beherrscht: dem Neuen Turm Babel.

Dass der berühmteste aller deutschen Kinofilme nach seiner Uraufführung im Jahr 1927 Anfang 2010 seine zweite Weltpremiere erlebte, ist – bisher wissenschaftlich kaum gewürdigt – ein geistiges Ereignis ersten Ranges. Denn seine Wiederaufführung vor dem Brandenburger Tor mitten im Kraftfeld des wiedervereinigten Berlin enthält eine anthropologische, sozialethische sowie philosophisch-theologische Signatur, die es für den Diskurs der Gegenwart zu entziffern gilt.

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METROPOLIS als Dokument der Moderne