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282 | 20.09.2017

Chamfort und Lichtenberg

Die Blüte des europäischen Aphorismus


Chamfort und Lichtenberg

Im folgenden Vortrag geht es um die Untersuchung des Aphorismus in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts anhand zweier prägender Protagonisten der Gattung. Nicolas Chamfort, der 1741 wie Blaise Pascal in Clermont-Ferrand zur Welt kommt, steht dabei schon in einer Tradition, die sich seit der Neuzeit vor allem in La Rochefoucauld, aber auch in Pascal und Montaigne manifestierte. Darauf folgten ein La Bruyère, Vauvenargues, Fontenelle und der Zeitgenosse Chamforts - Rivarol - anders in Deutschland, wo Georg Christoph Lichtenberg überhaupt erst den Grundstein der Gattungsgeschichte legt. Als Chamfort als Hauslehrer des Grafen von Eyck früh in die deutschen Lande nach Köln kommt, notiert er: „Ich wüßte nicht, wozu ich weniger taugte als zu einem Deutschen.“

Aus dieser Erfahrung reift abermals der Entschluss: „Nun zu uns beiden, Paris“ und er benennt sich kurzerhand in Sébastian Roch Nicolas de Chamfort um, nachdem er als Sébastian Nicolas von seiner wahren Mutter Jaqueline Cisternes de Vinzelles, die schon anderweitig verheiratet war, und dem einfachen Domherrn Pierre Nicolas als illegitimes Kind abgeschoben wurde - eine Kränkung, die man aber immer mitdenken muss, ohne sie zu über-  oder unterschätzen. 1750 kommt er erstmals nach Paris, um wiederholt einer der besten Schüler Frankreichs zu werden – als er aus der Enge des kirchlichen Schulalltags entkommen will, erwägt er nach Amerika zu fahren, um dann festzustellen: „Wie wäre es, wenn wir uns selbst erkundeten, bevor wir die Welt erkunden?“ 

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